Warum dieser Titel?
"Geh, wohin dein Herz dich trägt!" So heißt das bekannteste Buch von Susanna Tamaro, von dem ich lange Zeit vourteilte, dass es kitschig sei.
Ich habe es dann zusammen mit meinem mittlerweile Ex-Freund gelesen (das "Ex" ist der Grund für das Schaukeln meines Lebensschiffes - siehe P.s. aus dem ersten Post) und siehe da: gar nicht kitschig, sondern einfach schön und lebensweise. Auf der allerletzten Seite kommt dann dieser Rat "Geh, wohin dein Herz dich trägt!" Das hat mich so bewegt, dass ich lange Zeit (im Zug) nicht mehr aufhören konnte zu weinen. Irgendeine Herzenstüre hat sich da geöffnet, ohne damals ersichtlichen Grund. Ich habe mir diesen Satz aufgeschrieben und seitdem versuche ich ihn mir als Wegweiser zu nehmen. Was sagt das Herz?
Wenn ich auf die letzten drei Jahre zurückschaue, dann verstehe ich besser, warum Tränen geflossen sind. Ich bin dabei zu lernen, auf das Herz zu hören und Kopf, Herz und Bauch zusammen zu bringen. Wir könnten auch sagen, Körper, Verstand und Seele. Und das macht ganz. Ich bin mehr Ich geworden. (und damit lange noch nicht fertig...)
Ich möchte Herz nicht gleichsetzen mit Gefühlen, sondern verbinde es mehr mit der hebräischen Bedeutung des Wortes (leb) - da meint es das Innere des Menschen. Weisheit. Verstand. Das Wollen. Ein im "Netz" gefundener Dr. Sieber sagt, man könnte "dein Herz" sogar mit "du" übersetzen. Somit wird die Frage, wohin mein Herz mich trägt auch zur Frage, wer ich eigentlich bin. Was macht mich aus? Wohin möchte ich? Was möchte ich aus meinem Leben machen? Wer kann ich für andere sein? Was ist der Sinn meines Lebens? Warum bin ich hier?
herzensweit - dieses Wort habe ich aus einem Gedicht von Walter Buder "gestohlen". Dem Herzen zu folgen kann manchmal sehr mühevoll sein. Wie bei einer Bergtour. Und manchmal ist der Weg sehr weit. Kann auch sein, dass er plötzlich eine Richtung nimmt, die unlogisch scheint. Aber ich möchte viel lieber einen Weg in die Weite nehmen als kurze, enge, vorhersehbare Wege.
Je länger ich unterwegs bin merke ich, dass dabei auch das Herz weiter wird. (Nicht nur der Weg.) Weiter, aber verwundbarer. Und an manchen Tagen hab ich das Gefühl, das Herz hat die Orientierung völlig verloren und hinterlässt mir einfach nur den "Herzschmerz". Aber ich setze dagegen: trotzdem! (von Viktor Frankl gelernt: Die Trotzmacht des Geistes) Denn, es stimmt ja doch: "Man sieht nur mit dem Herzen gut..." Und ich will das Wesentliche im Leben nicht an mir vorüberziehn lassen.
Noch einmal Susanna Tamaro: "Habt Vertrauen! Euer Herz weiß schon alles!"
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