Samstag, 30. Dezember 2017

Warten auf das Glück?

Habe gerade eine Verfilmung von Anna Karenina (Leo Tolstoi)  angeschaut und da sagt Kostja am Schluss diesen weisen Satz, der mich am Ende eines ziemlich passiven Tages zumindest so weit aufrüttelt, dass ich doch noch das Gefühl habe, ihn aufschreiben zu müssen.
Es gibt eine Frage, auf die ich selten eine Antwort weiss. Sie lautet: "Bist du glücklich?" Ich weiss nie genau, ab wann es gilt. Ist "zufrieden sein" oder "gut gelaunt sein" schon glücklich? Ich finde nicht.
Zugleich bin ich mir sicher, dass ich in meinem Leben sehr viel Glück habe. Ich habe alles, was ich brauche. Ich habe eine grosse Familie, in der es keine Frage ist, dass wir füreinander da sind, wenn eine(r) etwas braucht. Ich habe tolle Freunde. Ich hab nie viel, aber doch immer genug Geld am Konto. Ich hab ein Bett und viele schöne Dinge, ohne die ich auch gut überleben könnte. Es gibt viele Menschen, die all das nicht haben. Und dafür bin ich sehr dankbar. Aber glücklich?
Ich habe in den letzten Jahren - durch jemanden, der hartnäckig immer wieder gefragt hat - es gewagt, diese Frage öfter mal mit "ja" zu beantworten. Ja, ein richtiges Wagnis, denn tief in mir drin sitzt die absurde Sorge, dass irgendwo jemand ist und wie Frau Holle den Schnee, das Glück austeilt und sobald sie hört, dass ich glücklich bin, damit aufhört. So als würde sich alles Glück in meinem Leben an dem einen Moment messen, in dem ich es ausspreche. Und dann gibt es keine Steigerung mehr. Ich warte also immer auf den grossen Moment, in dem ich wissen werde, dass es jetzt in der Fülle da ist - das Glück. Aber wird es den geben?
Zurück zu Kostja. Der sagt: "Ich habe den Fehler gemacht, zu glauben, dass ich dann glücklich sein werde, wenn meine Wünsche erfüllt sind."
Huch - da bin ich mal kurz hochgeschreckt von meiner Couch. Ertappt.
Also: Vorsatz für das neue Jahr: Mehr Mut zum glücklich sein. Mit dem Zusatz: Zufriedenheit darf Zufriedenheit sein. Und wenn ich fröhlich bin, dann freut mich das. Ich bleibe dabei: Das ist nicht gleich "glücklich sein". Aber dem "glücklich sein" immer mehr zutrauen. Das ist ein guter Vorsatz.
Also, 2018 kann beginnen. Was auch immer kommen wird.

VIEL GLÜCK!!!

2 Kommentare:

  1. Das Zitat von George B. Shaw passt gut dazu: "There are two tragedies in life. One is to lose your heart's desire. The other is to gain it."

    Und ein zweiter Gedanke: vielleicht geht es gar nicht um das Glück, wie beim Großinquisitor nachzulesen ist, sondern um unsere Freiheit?

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  2. Einen Dauerglückszustand auf Erden gibt es sicher nicht, auch wenn es einem manchmal suggeriert wird, dass es das geben kann.

    Glücksmomente erlebe ich immer, wenn ich durch meine Talente anderen helfen oder eine Freude bereiten kann. Auch viel Neues zu entdecken und auszuprobieren bereitet mir viel Freude.
    Wenn man in neue unsichere Bahnen geworfen wird (Schicksalsschläge wie Tod des Bruders, Vaters, der Mutter) und ein Zeitraum der Orientierungslosigkeit sich breit macht, war es immer sehr ermutigend, wenn wieder andere mein Talente in Anspruch nehmen wollten - dann weiß ich, wie schön es ist, gebraucht zu werden! Wertschätzung und Anerkennung in ehrlicher Weise tut gut. Zu lange Grübeln und Nachdenken führt oft auch in Sackgassen - leben ist aktives Handeln, mit allen Höhen und Tiefen!

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