Freitag, 16. Februar 2018

Das Besondere suchen

Ein kleiner Gedanke, der mir am Aschermittwoch gekommen ist. Der Tag war schon fast geschafft - denn ich gebe zu, dass ich an Tagen, an denen ich versuche zu fasten, nicht unglücklich bin, wenn sie sich dem Ende neigen.
Aber genau darum geht es jetzt :-) Also. Ich war in der Kirche und mit dem Aschenkreuz auf meiner Stirn dann am Heimweg. Vorbei an den gewohnten Würstelständen und Geschäften, die immer noch offen hatten und vor mir dann jemand, der eine riesige Tafel Schokolade im Rucksack stecken hatte.  Und ich hab gedacht, dass für die meisten Menschen heute ein Tag wie jeder andere ist. Was ich aber sehr schätze am christlichen Glauben bzw in dem Fall eher an der Art, wie der Glaube seinen Ausdruck findet ist, dass nicht jeder Tag wie der andere ist. Zum Beispiel der Sonntag ist besonders. Allein der Besuch eines Gottsdienstes und dass ich dem eine Priorität für diesen Tag gebe, macht ihn zu einem besonderen Tag, den ich anders verbringe als die anderen Tage. Es soll ein Tag sein,der mich an die Freude erinnert. 
Und dann spezielle Zeiten wie die Fastenzeit. Eine Zeit, in der wir versuchen, uns auf wesentliches zu besinnen und zu beschränken. Natürlich ist das alles irgendwie künstlich, weil es festgesetzte Zeiten sind, die nicht immer zu meiner momentanen Lebenslage passen oder meiner Emotion entsprechen. Aber als ich da an diesem Aschermittwoch durch die Strassen gegangen bin und alles genauso war wie sonst auch, habe ich gedacht, dass es gut ist, dass wir uns manchmal Zeiten und Tage schaffen, die anderes sind. Denn das Leben ist in Wahrheit eben auch nicht immer gleich. Wir tun zwar so als ob, weil va durch das Internet immer alles und zu jeder Zeit möglich und abrufbar ist, aber so ist es eigentlich nicht. Schlimme Ereignisse wie zb der Tod eines Menschen, reissen uns heraus und zeigen uns sehr klar, dass im Leben von einer Minute auf die andere alles anders sein kann. Aber gibt es nicht noch viel, viel mehr Nuancen, die mein Leben aus den verschwommenen Graustufen heraushebt? Was hindert mich daran, einen Sonnenstrahl zu geniessen und eine Strassenbahn dafür fahren zu lassen, um einfach für ein paar Minuten, nichts besonderes denkend, mir die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen? Sind das 5 verlorene Minuten oder vielleicht ein gewonnener Tag? Oder die Armut eines Bettlers nicht sofort aus der Wahrnehmung zu wischen, sondern davon bewegt zu sein. Und auch, wenn ich ihm im Moment nicht helfen kann, zu schauen, was diese Betroffenheit mit mir macht. Berühmte Geschichten wie die von Franziskus zeigen, dass sowas das ganze Leben verändern kann....
Oder: Einen Gedanken (wie den, den ich am Mittwoch hatte) aufzuschreiben und ihm nachzugehen. Ihn nicht gleich gehen lassen. Ich habe jetzt im Schreiben auch viel mehr davon zu fassen bekommen, als vorher, als er noch ein interessanter Gedanke in meinem Kopf war. Aber das hat ein bisschen Zeit gebraucht und die Entscheidung, mich hinzusetzen und diese Zeit dafür zu geben.
Also, das soll Fastenzeit für mich sein. Nicht jeden Tag gleich sein lassen, sondern dem Besonderen und Wichtigen nachgehen. Auch und vor allem im scheinbar Unscheinbaren...

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