Was hat die Wüste mich gelehrt?
Die erste grosse Überraschung war, dass die Wüste auch grün sein kann und dass es Blumen gibt, die sich sogar im Wüstensand behaupten können. Das Leben findet also seinen Weg, auch unter denkbar ungünstingen Bedingungen.
Apropos ungüstige Bedingungen.. Sturm war unser steter Begleiter in den ersten Tagen. Und nach der ersten Sturmnacht war meine Vermutung, dass wir nun erstmal ein wenig abwarten würden und schauen, wie die Lage sich entwickelt.... Davon war allerdings nicht mal annähernd die Rede... aufstehen, frühstücken, Sachen packen (vom Toilettengang berichte ich nicht so ausführlich..) und weitergehen. Einfach weitergehen. Ob Sonne oder Wind, wir gehen unseren Weg. Es war ein kleiner Kampf, aber dann das Tagesziel zu erreichen, umso schöner. Der Wind ist nicht mein Feind. Nur meine Angst davor, ihm nicht gewachsen zu sein. So ist der Wind mein Freund geworden.
Das Leben im Hier und Jetzt - ohne Wenn und Aber. (siehe Mariana Leky) Das lehrt der Sturm. Das erlebst du in der Wüste. Kein Handyempfang. Keine Ablenkungen. Keine Möglichkeiten, abzuhauen. Nur diese Menschen, die mit dir unterwegs sind, keine anderen.
Und: Stille. Schönheit. Das nächtliche Sternengewölbe. Kälte. Klarheit. Einfachheit. Unendliche Weite. Die Intensität der Farben. Die Sonne. Der Morgen, der Abend, die Nacht. Licht und Schatten. Dem allen ausgesetzt. Mit allen Sinnen. Mit meinem ganzen Körper. Mir selbst ausgesetzt.
Die Wüste ist jeden Tag anders. Niemals eintönig. Ich habe dem Wort "Wüste" viel unrecht getan. Jemanden in die Wüste schicken.... ja! Weil ich jedem diese eindrückliche Erfahrung wünsche!
Staunen über die Wunder der Schöpfung. An einem Ort, von dem ich mir Kargheit erwartet hätte.
Das Unterwegs-Sein. Tag für Tag. Nur heute. Die Uhrzeit vergessen und das Ticken der inneren Uhr langsam wahrnehmen. Nach meiner ganz persönlichen (Lebens-)Zeit leben.
Kleine Rituale entwickeln. Mich zurecht finden mit den Gegebenheiten, die eben da sind. Fast alles ist möglich.
Hunger spüren und den Geschmack einer Dattel geniessen. Arabischen Tee lieben lernen! :-)
Die Erfahrung der Gemeinschaft. Aufeinander Angewiesen-Sein. Einander vertrauen. Sich zeigen, wie man ist. Annehmen, wie der andere ist. Zuhören. Erzählen. Lachen. Schweigen. Staunen. Sich an die anderen gewöhnen. Zusammen gehören. Einander ein Stück des Weges begleiten. Miteinander essen. Aufmerksam-Sein. Rast unter einem grossen, alten Baum finden.
Gar nicht mehr zurück wollen... Aber wissen, dass es unvergesslich bleiben wird und seine Prägung hinterlassen hat.
Vor Wüsten-Zeiten im Leben muss ich keine Angst haben. Auch, wenn ich mir nicht vorstellen kann, wie ich durch sie hindurch komme. Eine schöne Frisur ist dabei nebensächlich.
Es gibt Unerwartetes zu entdecken und es wird schöner als ich mir vorstellen kann. Ich kann gegen den Sturm ankommen. Es dauert seine Zeit und ist anstrengend im Sand einen Berg zu erklimmen, aber es zahlt sich so sehr aus! Ich werde wochenlang danach immer noch Sandkörner in den Schuhen finden, weil diese Zeit nicht einfach so an mir vorbeigeflogen ist. Es bleibt etwas.
Ich werde Menschen treffen, die mein Leben verändern können.
"Leben heißt, langsam geboren zu werden. Es wäre auch zu bequem, wenn man sich fertige Seelen besorgen könnte." (Antoine de Saint-Exupery)
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